Die Minolta Hi-Matic 7s – Messsucherkamera für Einsteiger

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Die Minolta Hi-Matic 7s ist ein schöner Vertreter der Messsucher-Kameras mit fester Brennweite und eine Empfehlung für alle, die in die analoge Fotografie mit dieser Art von Kamera einsteigen möchten. Im folgenden Artikel möchte ich Euch die „Poor man’s Leica“ genauer vorstellen.

In den fünfziger, sechziger und siebziger Jahren, bevor der Autofokus mit der Konika C 35 Einzug hielt, blühte der Markt der  Messsucherkameras mit fester Brennweite. Geräte dieser Kameraklasse sind zur Entfernungsbestimmung mit einem an den Fokussierring des Objektives gekoppelten Mischbild-Entfernungsmesser ausgestattet. Ansonsten bieten sie eine feste Brennweiten, meist im Bereich der leichten Weitwinkel bis zur „Normal“-Brennweite von 50mm.

Die Hi-Matic 7, von dem Kamerahersteller, der damals noch unter dem Namen Minolta firmierte, stellt einen Höhepunkt in der Evolution der kompakten Messsucher dar. Die erste Kamera der Hi-Matic Serie wurde 1962 von dem japanischen Kamerahersteller auf den Markt gebracht. Die Kamera erlangte, unter dem Label Ansco Autoset Berühmtheit, als der erste amerikanische Raumfahrer John Glenn damit Aufnahmen aus dem Erdorbit nach Hause brachte. Später folgte die in allen Belangen überlegene Hi-Matic 7 und schließlich im Jahre 1966 die Minolta 7s.

Erster Eindruck der Minolta Hi-Matic 7s

Nutzer digitaler Kompaktkameras oder Einsteiger-Spiegelreflexkameras werden verwundert sein, wie massiv Kameras zu dieser Zeit gebaut wurden, sobald sie die Hi-Matic das erste Mal in die Hand nehmen. Die 7s bringt ganze 770 Gramm auf die Waage. Das kalte Metallgehäuse mit schwarzem Kunstlederüberzug kommt wirklich edel daher.


So sieht der Blick durch den Messsucher aus.

Trotz der, im Gegensatz zu einer Leica, eckigen Kanten fasst die Kamera sich gut an. Der Sucher ist wirklich hell und riesig – ein echter Schritt nach oben im Gegensatz zum Mäusekino einer Einsteigerkamera.  Dem autofokus-verwöhnten Nutzer wird sofort das gelb-grünliche Schnittbild des Messsuchers auffallen, das mit Hilfe eines Spiegels ins Bild projiziert wird, sowie der Leuchtrahmen, zur Korrektur des baubedingten Parralaxenfehlers im Nahbereich.

Der Messsucher ist an das Objektiv gekoppelt: Durch Drehen am Fokusring des Objektivs, bringt man die Bilder des Suchers in Einklang und das anvisierte Objekt ist im Fokus. Geübte Fotografen sollen mit dem Messsucher angeblich schneller sein, als so mancher Autofokus, ob dem so ist, lassen wir einmal so dahingestellt.


Die Minolta 7s im Größenvergleich mit ihrem nahen Verwandten, der Revue 400 SE (Ableger der Minolta 7s II).

Die Minolta 7s bietet eine wichtige Besonderheit, die so bei anderen Kameras dieser Klasse nicht ohne Weiteres zu finden ist: Sie kann, ohne Stromversorgung, vollkommen manuell betrieben werden und bietet damit wesentlich mehr als vergleichbare Geräte mit automatischer Zeitvorwahl. Sie bringt damit alle Voraussetzungen, um absolute Kontrolle über das endgültige Bild zu erlangen, mit. Im voll-manuellen Modus kann der Fotograf, unabhängig von der Empfindlichkeit des eingelegten Films, die Bilder gezielt über- und unterbelichten. So ist es möglich, trotz der recht ungenauen, an der Vorderseite des Objektivs befestigten Cadmiumsulfit-Zelle (CdS), ein Zulaufen der Schatten oder ein ausreißen der hellen Bildanteile (bspw. an einem kontrastreichen, wolkenlosen Sommertag) zu vermeiden.

Grundkenntnisse des Zonensystems helfen, korrekt zu belichten

Hierbei sind Grundkenntnisse des Zonensystems sehr wertvoll. Im manuellen Betrieb liest man ab, welchen Wert der Belichtungsmesser in der Anzeige des Suchers ausgibt, und stellt dementsprechend Blende und Verschlusszeit ein. Dies passiert anhand eines verständlichen Zahlensystems. Zu lange sollte man den Belichtungsmesser nicht dem Tageslicht aussetzen, denn mit der Messung zieht die Kamera konstant Strom – so ist die Batterie schnell hinüber. Da es keinen „Aus“-Schalter gibt, bringt hier nur der Objektivdeckel Abhilfe. Das wackelige Standardmodell habe ich dann auch sofort gegen einen Clip-Objektivdeckel ausgetauscht.

Die Kamera löst übrigens auch aus, wenn der Belichtungsmesser kein Licht mehr registriert, da strecken andere Kameras schon einmal die Segel, zum vermeintliche Wohl des Fotografen. Die Minolta 7s bietet also beste Voraussetzungen um auch nach Sonnenuntergang auf Streifzug zu gehen und die Lichter der Stadt einzufangen, ohne dass die Belichtungsmessung alles in langweiliges Grau taucht. Um Zubehör, wie eine Wasserwaage oder gar einen externen Blitz anzubringen, ist die Kamera mit einem Hotshoe ausgestattet – auch keine Selbstverständlichkeit.


Von oben: Solide verarbeitet, aber trotzdem kompakt.

Das 45mm f/1.8 Rokkor Objektiv

Dem Lichtstarken 45mm 1:1.8 Rokkor Objektiv sagt man übrigens eine gute Abbildungsleistung nach, was ich anhand meiner Erfahrungen weder bestätigen noch widerlegen kann – da ich gerne Grobkörnigen Ilford HP5+ verwende, ist dies aber auch nicht weiter verwunderlich.

Betrieben werden soll die Kamera, laut Handbuch, von einer PX625 1.35v Quecksilberbatterie, welche allerdings schon seit einiger Zeit nicht mehr im Handel erhältlich sind. Ersetzt haben ich diese mit einer SR44 Silveroxidzelle mit einer Spannung von 1.55V. Die leichte Überspannung kann zu Überbelichtung führen, dies muss also bei der Belichtungmessung, oder, noch besser, beim Einstellen der Filmgeschwindigkeit berücksichtigt werden. Als vollwertiger Ersatz bieten sich jedoch die, recht teuren, 1.35V Wein Zellen an.


Das 45mm Rokkor-Objektiv. Im Vordergrund: Die CLC zur Belichtingsmessung

Verschlusszeiten von 1/4 bis 1/500 Sekunde

Die Verschlusszeit reicht von 1/4s bis zu 1/500 Sekunde. Die kürzeste Verschlusszeit ist also nicht besonders kurz. Damit ich mit einem ISO 800 Film tagsüber nicht bei extrem kleiner Blende (reicht bis f/1:22) fotografieren muss, statte ich in diesen Fällen das 49mm Filtergewinde mit einem neutralem Graufilter aus. Das erspart mir das lästige Wechseln des Films, wenn die Kamera einmal tagsüber und abends verwendet wird. Eine Rewindfunktion mit „Leader-Out“, was das bequeme Wechseln des Film mal eben zwischendurch ermöglichen würde, bietet die Kamera natürlich nicht.

Aufgrund der soliden Verarbeitung, dem technischen Standard, der sich auch hinter modernen Kameras nicht verstecken muss, macht die Arbeit mit der Minolta 7s auch heute noch jede Menge Spaß. Das Objektiv auf Blende f/8 gestellt, das Objektiv auf unendlich und los geht`s.

Die Kamera sieht chic aus. Anhänger von Retrotrends werden ihre Freude haben. Die Ösen zum Aufhängen eines Kameragurtes sind zum Glück so ausbalanciert, dass sich die Kamera, hängt man sie um den Hals, eng an den Körper legt. Dank des großen Suchers ist das manuelle Fokussieren auch bei schwachem Licht ohne Probleme möglich. Der Verschluss ist sehr leise – das Auslösegeräusch trotzdem satt.

Worauf man beim Kauf achten sollte

Leider ist die Kamera aufgrund ihrer Größe nicht optimal für Street-Photography geeignet. Für absolute Unauffälligkeit ist man bei der kleineren Nachfolgerin, der Hi-Matic 7s II, besser aufgehoben.

Eine charmante Eigenheit ist es, dass der Spannhebel extrem weit nach vorne durchgezogen werden muss (ganze 220°) – nach einiger Zeit hat man dann auch den „Dreh“ (im wahrste Sinne des Wortes) raus. Menschen mit kleinen Händen werden den Film unter Umständen aber nur in mehreren Zügen aufziehen können.


Von Hinten: Der Spannhebel der 7s muss ziemlich weit durchgezogen werden.

Das Exemplar der 7s, dass ich vor einiger Zeit bei einem Elektro-Gebrauchthändler erwarb, ist in guter Verfassung. Wie immer bei Kameras, die schon einige Jahre auf dem Buckel haben, gibt es einige Punkte, auf die sich vor dem Kauf zu achten lohnt. Ist der Sucher milchig? Wie abgegriffen ist der Lederbezug? In welchem Zustand ist das Batteriefach? Wie leichtgängig ist der Verschluss (Verharzung) und arbeitet die Kamera durch alle Verschlusszeiten hindurch verlässlich?

Absolute Gewissheit bringt nach einer Begutachtung vor Ort dann natürlich nur der Testfilm. Die Gebrauchtpreise für eine Hi-Matic 7s sind übrigens sehr niedrig. Bei Ebay sollte man ein gut erhaltenes Exemplar für unter 40€ bekommen können.

Nutzt Ihr vergleichbare Messsucherkameras aus der Zeit? Wie sind Eure Erfahrungen damit? Oder kommt bei Euch nur Leica ins Haus?

Weiterführende Quellen: schnittbildindikator.de, jwhubbers.nl, mattdentonphoto.com

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Der Autor

Till ist Fotograf, Blogger und Betreiber dieses Blogs. Sein Interesse gilt der Dokumentarfotografie, insbesondere klassischer Streetphotography, dem New Color Movement und dokumentarischer Landschaftsfotografie.