Ein Rückblick auf das Rencontres d`Arles 2011 Foto-Festival

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Veranstaltung
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Nun bin ich bereits einige Tage vom Rencontres 2011 in Arles, das bereits zum 42. Mal stattfand, zurück. Die Leica-Dichte in den Straßen der kleinen Stadt reguliert sich wieder nach unten auf ein normales Niveau und ich stehe noch schwer unter dem Eindruck der vielen Erlebnisse. Die beste Zeit also, zurückzublicken und Euch einen Einblick in meine Zeit bei den Les Rencontres d’Arles zu geben.

Diese Ausgabe in Arles bot mit der Vielzahl an Ausstellungen, 47 an der Zahl, dem Rahmenprogramm und den unzähligen Veranstaltungen des Off einmal wieder zu viel, um Alles mitnehmen zu können. Deswegen war es wie immer wichtig, eine Vorauswahl zu treffen, in der Hoffnung, die für einen persönlich wichtigen Sachen zu sehen, immer in der Bereitschaft natürlich, sich auf Neues einzulassen.

Die Rencontres d’Arles

Die Rencontres werden ihrem Namen auf 2 Wegen gerecht, durch die Begegnungen mit anderen Besuchern und der Diversität der gezeigten Arbeiten. Erfreulich war es, in diesem Jahr bekannte Gesichter aus den letzten beiden Jahren wieder zu sehen und mit vielen interessanten Menschen in Kontakt zu kommen. Zudem treffen und trafen in Arles verschiedene Strömungen der Kunst und Fotografie aufeinander. Egal, ob man sich für dokumentarfotografische Arbeiten, Fotojournalismus oder Konzeptkunst interessiert. In Arles kommt jeder auf seine Kosten. So viel ist sicher: Man kehrt mit vielen frischen Ideen nach Hause zurück. Das ist es, was die Veranstaltung auszeichnet.

Organisatorisch war das Festival einmal wieder sehr gut durchgeführt. Das Team um Francois Hebel und Jean-Noël Jeanneney hat ein dicht gepacktes Festival auf die Beine gestellt, sieht man von dem holprigen Start ab: Einige Ausstellungen waren nicht rechtzeitig zur Eröffnung fertig gewesen. Wichtig für mich ist immer die Qualität der Übersetzung während der Führungen und Screenings, da mein Französisch eher als rudimentär zu bezeichnen ist. Dies hat in diesem Jahr hervorragend geklappt. Ein großes “Merci” geht deswegen an die Übersetzer, die auch bei Marathonführungen, wie der Tour durch die Nominierungen für den Discovery Award (2,5 Stunden), nicht müde wurden. Gewinner des “Prix Découverte” war übrigens die hervorragende Arbeit Ponte City von Mikhael Subotzky und Patrick Waterhouse.

Die Führungen sind immer sehr gut besucht, hier lohnt es sich hartnäckig zu bleiben. Die Anzahl der Teilnehmer reduziert sich meist zum Ende einer Führung von selbst. Das Durchhalten lohnte sich: Ein Highlight dieses Jahr waren aus meiner Sicht die Guided Tour durch die Ausstellung The Mexican Suitcase von Cynthia Young, ICP Mitarbeiterin und Kuratorin. Anhand verschiedener Kontaktabzüge aus der Mexican Suitcase, war sie in der Lage, die historische Bedeutung, nicht nur für das Gesamtwerk der Fotografen Capa, Taro und Chim herauszustellen, sondern einen Bezug zur Geschichte des spanischen Bürgerkriegs herzustellen.

Die Führung durch die Ausstellung From Here On durch Martin Parr und Erik Kessels, zusammen mit einer Vielzahl ausstellender Künstler, war ebenfalls sehr sehenswert. Martin Parr, der seine helle Freude an einer Vielzahl von Arbeiten zu haben schien, brillierte durch seinen trockenen Humor und war als Kurator dieser oft humorigen Arbeiten perfekt gewählt. Seine eigene Arbeit Autoportrait, die  ihrerseits 2004 in Arles gezeigt wurde, hätte sich gut in die ausgestellten Arbeiten eingereiht.

Leider blieb mir neben dem Hauptprogramm und den notwendigen Erholungspausen zu wenig Zeit für das Programm des Voies Off. Natürlich nicht entgehen ließ ich mir die Nuit de la Roquette, die die offizielle Nuit de l’Annee übertraf. Hier bot sich die Chance, viele kleinere, unbekannte Arbeiten zu sehen. Die Stimmung in den Häusern und Straßen des spanischen und afrikanischen Viertels ist ganz etwas ganz Besonderes. Die “Arlésiennes” sind offenbar kunstverrückt und haben wieder mit viel Liebe ein tolles Fest auf die Beine gestellt. Da kann die formellere Veranstaltung der Rencontres nur schwer gegen ankommen. Für letztere wurde in diesem Jahr die Arena ausgewählt, was wodurch zwar durch die Kompaktheit bessere Stimmung aufkam als im Jahr 2009 im Parc des Atelier. Die Straßen von Arles als Raum, so wie im letzten Jahr, waren allerdings trotzdem schöner. Hoffentlich besinnen sich die Organisatoren und kehren im nächsten Jahr zurück zu weniger ausgefallenen Locations für die “Nacht des Jahres”.

Viele nette Wiedersehen und neue Begegnungen komplementierten die spannende Woche. Besonders erwähnen möchte ich hierbei Paolo Woods, der nicht nur tolle Arbeiten abliefert, sondern ein sehr sympathischer und charismatischer Mensch ist. Er staunte nicht schlecht, als ich die deutsche Ausgabe des gerade erschienenen Buches Land des Lächelns – Land der Tränen (Empfehlung!) beim Booksigning des Riverboom Verlags aus der Tasche zog. Vielen Dank jedenfalls für die persönliche Tour durch das Buch Switzerland vs. the World. Die Foto-Serie zum Buch ist übrigens auch in einer Online-Galerie zu sehen. Derzeit lebt und arbeitet Paolo in Haiti. Ich bin schon gespannt auf kommende Serien (siehe auch Photonews April 2011).

Einer der schönsten Momente der Abendveranstaltungen kam sehr überraschend für mich. Der mexikanische Fotograf und Verleger Pablo Ortiz Monasterio präsentierte A Short Mexican Story: Frida Kahlo, eine Zusammenstellung von Bildern aus dem Foto-Archiv Fridas, das auf Wunsch Diego Rivieras für 50 Jahre unter Verschluss geblieben war und nun aufgearbeitet wird. Neben den zweifellos beeindruckenden Bildern, die das Wissen um die Arbeitsweise und Leben Kahlos um weitere Puzzlestücke erweitern, war die Präsentation Monastrios einfach klasse. Er schaffte es durch seinen flammenden Vortrag, seine Passion und Begeisterung auf das Publikum zu übertragen. Da geriet die Präsentation JRs zu seinen Projekten Women are Heroes und Insideout zur Nebensache an diesem Abend, zumindest für mich.

Mein Fazit

Der Besuch des Fotofestivals lohnt sich, da man mit einer Vielzahl neuer Eindrücke überschüttet wird. Das ist anstrengend, aber auch sehr belohnend. Gibt es etwas schöneres, als sich in wundervoller Umgebung mit vielen Gleichgesinnten in die Materie Fotografie einzutauchen? Leider kann ich Euch nur einen sehr oberflächlichen Einblick präsentieren. Alles aufzuschreiben, würde einfach den Rahmen sprengen. Ich hoffe aber, ich konnte Euch einen kleinen Einblick in meine Erlebnisse während der Eröffnungswoche bei den Rencontres liefern. Jeder, der einmal auf dem Festival war, kehrt wieder dahin zurück, so ist jedenfalls mein Eindruck. Fest steht jetzt schon, dass ich auch im nächsten Jahr dabei sein werde.

In einem Folgeartikel habe ich die Ausstellungen, die den größten Eindruck hinterlassen haben, noch einmal separat vorgestellt.

Wart Ihr in diesem Jahr oder der Vergangenheit bei den Rencontres? Wie waren Eure Eindrücke?

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Der Autor

Till ist Fotograf, Blogger und Betreiber dieses Blogs. Sein Interesse gilt der Dokumentarfotografie, insbesondere klassischer Streetphotography, dem New Color Movement und dokumentarischer Landschaftsfotografie.